research
Meine gegenwärtige Forschungsarbeit konzentriert sich auf die Ausmaße des weltweiten Christentums und seiner theologischen Inhalte aus der Perpektive der Erneuerungsbewegungen. Diese Forschung ist teilweise unterstützt durch ein Forschungsstipendium des Lilly Endowment Fundus der Assoziation für Theologische Schulen in Nord Amerika. Die Resultate finden Veröffentlichung in einer Monografie mit folgendem Titel:
Beyond Pentecostalism: The Crisis of Global Christianity and the Renewal of the Theological Agenda (Eerdmans, 2010).
Inhaltsverzeichnis (auf Englisch) (PDF)
Zusammenfassung:
Meine gegenwärtige Forschungsarbeit beruht auf der These, dass das weltweite Pfingstlertum einen unverzichtbaren Katalysator darstellt für die Formulierung globaler Aufgaben der Theologie. Mein Ausgangspunkt ist die Einsicht, dass sich die Theologie der Spätmoderne in einer Krise befindet, die man sowohl als Wendepunkt als auch als Voraussetzung für den Fortschritt theologischer Aufgabenbewältigung verstehen sollte. Ich verstehe das s.g. klassische Pfingstlertum als eine Manifestation dieser Krise und mitverantwortlich für die Wendung der Theologie zu globalen Aufgabenbereichen. Mein Projekt beschreibt die verschiedenen Krisenelemente, identifiziert wie das Pfingstlertum diese Elemente repräsentiert, und schlägt vor, dass die Aufgabe der Krisenbewältigung eine Integration der Theologie und Praxis des weltweiten Pfingstlertums in die globale theologische Diskussion unabdingbar macht. Diese Aufgabe führt meiner Meinung nach unzweifelhaft über die Grenzen des klassischen Pfingstlertums hinaus. Eine Unterscheidung ist damit gerechtfertigt zwischen dem klassischen Pfingstlertum, mit seinen Ursprüngen in Nordamerika am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, und dem weltweiten Pfingstlertum, einer globalen Manifestation der Pfingstbewegung, die die Grenzen der klassischen Tradition nicht verlassen, ihnen aber doch entwachsen ist. Ich schlage vor, dass es nicht das klassische sondern das globale Pfingstlertum ist, das die Erneuerung der gesamten Kirche ermöglicht.
Beschreibung des Forschungsgegenstandes:
Die Untersuchung beginnt mit der Identifizierung von sechs Gebieten der gegenwärtigen theologischen Krise und den jeweiligen Beiträgen des klassischen Pfingstlertums: 1) Eine Krise der Vernunft und der entsprechenden Formulierung eines Bedeutungssinnes hervorgehoben durch die pfingstlerische Geschichte und die Erweckung der Glossolalien. 2) Eine Krise des Rituals intensiviert durch die Kluft zwischen der rituellen Kultur der etablierten liturgischen Traditionen und pfingstlerischen Ausdrücken der Liturgie. 3) Eine Krise des Glaubensbekenntnisses vertieft durch Lehre des Oneness Pfingstlertums und seiner impliziten Kritik an der sequenzhaften Formulierung der Gotteslehre in der Form von drei Glaubensartikeln. 4) Eine Krise der christozentrischen Interpretation des Evangeliums verschärft durch die pneumatologische Orientierung unter den Pfingstlern. 5) Eine Krise in der ökumenischen Ekklesiologie, die sich vor allem in der Abweisung des Pfingstlertums durch die etablierten Kirchen manifestiert sowie in einer Formulierung der pfingstlerischen Identität in Formen, die den etablierten orthodoxen Formulierung ausweichen oder diese selbstständig abweisen. 6) Eine Krise des Pfingstlertums intensiviert durch einen generellen Trend der Bewegung auf die globale Theologie und der Tendenz, über die Grenzen des klassischen Pfingstlertums hinauszugehen. Die Resultate dieser Analyse deuten darauf hin, dass die Aufgabe der Krisenbewältigung nur erfolgreich aufgenommen werden kann, wenn die Gedanken und Praktiken des weltweite Pfingstlertums in die theologische Aufgabenbereiche aufgenommen werden. Aufgrund dieser Problemdeutung erkläre ich sodann die Beiträge der pfingstlerischen Theologie und ihre Bedeuting für die globale Theologie. Die Resultate werfen neues Licht sowohl auf die Zukunft des Pfingstlertums als auch auf die unmittelbare Richtung der globalen Theologie im 21. Jahrhundert.
Ziel und Absichten der Forschung:
Das Ziel dieser Forschungsaufgabe ist die Integration des Pfingstlertums in die weltweiten theologischen Aufgabenbereiche, indem die potenziellen Beiträge des Pfingstlerwesens zur Bewältigung globaler theologischer Aufgaben herausgearbeitet werden. Im Angesicht der sechs Krisengebiete, die durch diese Studie identifiziert werden, ist es möglich sechs korrespondierende Bereiche pfingstlerischer Besonderheiten vorzustellen: 1) Eine Erweckung der theologischen Vorstellungskraft und ihrer Einbindung in den Gebrauch der Vernunft durch Geschichten, Bilder, Visionen, Aesthetik, und Affektionen als Manifestationen des Geistes Gottes in der Welt. 2) Eine Umformung der orthodoxen Elemente der Liturgie von ihrer konzeptionell fixierten, niedergeschriebenen, traditionsbebundenen, auf den Priester zentrierten und christologisch orientierten Gestalt in eine mehr flexible, mündlich überlieferte, biblisch grundierte, auf die Gläubigen ausgerichtete und pneumatologische Formulierung des Rituals. 3) Eine Neuformulierung der orthodoxen Gotteslehre ausserhalb der drei Glaubensartikel und mit Hinblick auf eine narrativ-symbolische Hermeneutik und pneumatologischen Sichtweise der Offenbarung. 4) Eine Korrektur der statischen und verkürzten Sichtweise des Evangeliums, die von einer Dominanz christozentrischer Interpretationen resultierte, mit Hilfe eines mehr dynamischen Verständnisses des "fortwärenden Evangeliums" und seiner Hervorhebung der pneumatologischen, persönlichen, ekklesiologischen, und eschatologischen Dimensionen. 5) Eine Revision der ökumenischen Ekklesiologie, die es versteht, das Pfingstlertum nicht lediglich als eine Alternative abzuwerten sondern es als eine mögliche ökumenische Veränderungskraft der christliche Orthodoxie anzuerkennen. 6) Eine Hervorhebung der Erneuerung, die auch das Pfingstlertum selbst über sich hinausträgt und damit einen Prototyp für das Verständnis der theologischen Aufgabenbewältigung in der Spätmoderne überhaupt anbietet.
Bedeutung der Forschungsabsichten:
Da dieses Projekt das Pfingstlertum als einen Katalysator für die weltweite theologische Aufgabenbewältigung überhaupt zu verstehen sucht, ist die Studie somit auch auf eine diverse Zuhörerschaft ausgerichtet. Die Forschungsaufgabe richtet sich zunächst an die "orthodoxe" theologische Akademie im allgemeinen und ruft auf zu einer gemeinsamen Bewältigung der Aufgaben, die durch die Formulierung einer globalen Theologie im 21. Jahrhundert gestellt werden. Diese breite Ausrichtung verläuft durch drei ökumensiche Kanäle. 1) Die evangelische Theologie, die sich im Zusammenhang der Theologie der Spätmoderne mit dem Konzept einer "reichgiebigen Orthodoxie" auseinandersetzt. 2) Katholische und Anglikanische Theologen, die sich mit der populären Bewegung der "radikalen Orthodoxie" assoziieren. 3) Die wachsende Anzahl von Pfingstlern, die begonnen haben sich an dem Aufbau einer globalen Theologie aus pfingstlerischer Perspektive zu beteiligen.
Auf der einen Seite fordert diese Forschungsarbeit die theologische Akademie heraus, die Aufgabe einer Formulierung der globalen Theologie mehr unter Berücksichtigung einer Beteiligung des Pfingstlertums in Angriff zu nehmen. Auf der anderen Seite fordert diese Studie auch das Pfingstlertum heraus, sich über die Beschäftigung systemeigener Probleme auch mit den Aufgabenbereichen der Theologie weltweit auseinanderzusetzen. Obwohl diese Absicht nicht neu ist, vor allem im Nordamerikanischen Raum, ziele ich vor allem auf eine Erneuerung und Einbindung des Pfingstlertums in das weltweite Christentum ab, das sich nur almählich an der immer wachsenden Zahl der Pfingstgemeinden interessiert zeigt. Das Resultat einer Zusammenarbeit dürfte für alle Aufgaben- und Themenbereiche der Theologie von immenser Bedeutung sein.